SOMMERPAUSE vom 27. Juli bis zum 5. August

 


 

Beiläufige Aufmerksamkeiten
Fotografien von Angela Bröhan

Vernissage / Wochenende:
Freitag, 7. August 2020, 18:00 – 21:00
Samstag, 8. August 2020: 14:00 – 18:00
Finissage:   
Samstag, 5. September 2020,
19:00 – 21:00

Ausstellung vom 6. August – 5. September 2020

 

Es ist die Langsamkeit des menschlichen Schrittes, die es Angela Bröhan erlaubt, Dinge und Ding-Konstellationen wahrzunehmen, die sonst nicht in unser Bewusstsein gelangen und vielleicht zunächst ganz unerwartet die Aufmerksamkeit der Fotografin erregen. Sie lässt sich überraschen – aber sobald sie die Kamera in die Hand nimmt, ist nichts mehr dem Zufall überlassen: äußerst bewusst sind die Ausschnitte gewählt, Bildachsen und Perspektiven gesetzt.

Mit einem aus der Malerei entlehnten Vokabular kommt man ihren Werken näher als mit Begriffen wie „Street Photography“: Es sind Assemblagen, Stilleben und Farb-Kompositionen, die dabei aber durchaus narrative Elemente enthalten. Häufig gibt es Transparenzen, Durchblicke, mehrere Ebenen. Fenster und Schaufenster kommen ins Spiel, die Künstlerin sucht aber weder den voyeuristischen Einblick ins Private noch verführerisch inszenierte Auslagen: sie fokussiert auf flüchtige Reflektionen und Spiegelungenund öffnet damit eine andere, momenthafte Tiefe.

Da wären farbig irrlichternde, flüchtige Phänomene, Polarlichtern ähnlich, deren phantastischer Aspekt durch den auf einer anderen Ebene liegenden senffarbenen Stoff oder durch normierte Betonplatten eines Fußweges in den Alltag zurückgeholt werden.

Ein fein gelochtes Stahlblech, auf das der blaue Schatten eines Busches fällt und das die dahinterstehende Pflanze in eine Pop-Art-Ikone verwandelt.

Bunte Blätter eines japanischen Gartens, ein optisches Feuerwerk, verdecken fast vollständig ein im Mittelgrund zu erkennendes Hochzeitspaar. In einer anderen Aufnahme scheinen jugendliche Badende ein romantisches Stelldichein hängender Baumzweige und glitzernder Wasseroberfläche zu unterbrechen.

Menschen haben hier keine privilegierte Position. Die Natur ist mit demselben Recht ins Bild gelangt – aber auch ein leuchtend pinkes Kunsthaarobjekt oder ein Fensterrahmen können eine Hauptrolle auf der Bühne dieser Fotografien verkörpern. Wichtig ist die ästhetische Qualität, die Farbe und die Form, nicht die Bedeutung. Die in kleinen Bildfolgen organisierten Fotografien treten miteinander in Verbindung, ohne etwas von ihrem eigenen Charakter einzubüßen.

Man könnte von einem Backstage der Realität sprechen: Angela Bröhan versteht es, uns zu zeigen, dass das Nebensächliche einen zweiten Blick verdient. Hannes Wanderer schrieb über ihre Arbeiten, sie seien »Bild gewordene Begegnungen mit Ensembles, Perspektiven und Stimmungen in der Stadt«. Wenn wir ihre Fotografien aufmerksam betrachten, erfahren wir beiläufig auch von diesen Begegnungen.

Julie August, Berlin – Buenos Aires

 

Abbildung: Berlin 2017, Fotografie / Fine Art Print 24 x 30 cm

 

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