Current

same name
Fotografien von Sabine Wild
Vernissage: Freitag, 3. Januar, 19:00 – 21:00
Finissage: Samstag, 2. Februar, 15:00 – 18:00
Ausstellung vom 2. Januar bis 1. Februar 2020
Sabine Wild ist immer samstags von 14:00 – 18:00 anwesend.

 

Der Zufall in unserer Welt schwindet: Im digitalen Zeitalter definieren streng determinierte Algorithmen zunehmend die global geltenden Normen, bis hinein in das kleinste Detail unseres täglichen Lebens. Jenseits der binären Codes existiert zunächst ein Vakuum – und das, was wir uns hier zu erschließen wagen. Sabine Wild erforscht mit den Fotografien der Serie SAME NAME diesen künstlerischen „Zwischenraum“ und lässt sich teilweise auf die Logik von Computern ein.

Dafür eliminiert sie zunächst jede bildkuratorische Instanz, indem sie sich vom Betriebssystem per Zufall Bilder auf ihrer Festplatte zeigen lässt: Auf wahllos im Suchfeld eingetippte Zahlenkombinationen bewegt der Suchalgorithmus entsprechend benannte Fotografien aus unterschiedlichen Serien an die „Oberfläche“. Ausschlaggebend dafür ist Sabine Wilds digitale Nomenklatur, die seit vielen Jahren gemäß der technischen Grundeinstellung ihrer Kameras rein auf Ziffern basiert. Dieser Prozess wurde von der Künstlerin für SAME NAME wochenlang wiederholt. Sie reduziert ihr Handeln bis zu diesem Punkt auf reines Suchen, Begutachten, Staunen und begibt sich auf eine Zeitreise des Sich-überraschen-Lassens.

Anschließend initiiert Sabine Wild den zentralen künstlerischen Prozess: Die vom Algorithmus präsentierten, teilweise verblüffend kongruenten Bilder werden von ihr nach formalen und inhaltlichen Kriterien ausgewählt und in neuen Zweierkombinationen arrangiert. Dabei begegnen, kontrastieren, ergänzen und bereichern sich Fotografien auf spektakuläre Weise – ohne dass sie jemals vorher als zusammengehörig gedacht wurden. Wir sehen grafische Kombinationen, eindrucksvoll komponierte Farbwelten und unwirkliche Szenarien als Ergebnis einer zufallsgetriebenen Ko-Kreation von Mensch und Technik. Fotografien, die teils wundersam verschmolzene Einheiten bilden, Zusammenhänge und Welten offenbaren. Ein feinsinniges, detailverliebtes Spiel mit Kongruenzen.

SAME NAME wirft zwei zentrale Fragen auf: Wie lassen sich die Potenziale von Code und Kunst zufallsbasiert ausloten? Und: Auf welche Weise bereichern derartige Experimente ein wesentliches Element von Kunst – das unbefangene, freie und experimentelle Spiel – in einer virtueller werdenden Welt?

Enno Schramm & Vivien Woßeng, November 2019